Konfuzianismus: Ein jeder an seinem Platz

Das MITTWOCHSGESPRÄCH MIT DAMEN UND GÄSTEN am 16. Dezember gestaltete ein guter Bekannter von Br. P.H.

Der China-Kenner Herr DR. JEAN-PIERRE VOIRET hielt einen hochinteressanten Vortrag unter dem Titel „Konfuzianismus: Ein jeder an seinem Platz“.

Nach einem Abriss über Inhalte, Ursprünge und historische Entwicklung des Konfuzianismus, dessen Aufstieg zur Staatsideologie erst Jahrhunderte nach den Lebzeiten seines Begründers stattfand, ging er auf die heutige Rolle und Wirksamkeit dieser Philosophie ein. Im Kern zielt sie auf einen nach rationalen Prinzipien wohlgeordneten Staat, der sich auf den Respekt der Menschen voreinander gründet, aber auch auf einen Staatsapparat, dessen Beamtenschaft anstelle einer erblichen Aristokratie als geistige Elite anhand von Prüfungen aus der gesamten Bevölkerung rekrutiert wird. Unter Mao und besonders während der Kulturrevolution noch verfemt, wird der Konfuzianismus von der heutigen Machtelite der Volksrepublik heute wieder auf breiter Basis unterstützt.

Im Verlauf der anschließenden Diskussion lieferte Herr Dr. Voiret nicht zuletzt einen Blick auf die Tibet Problematik, der sicher geeignet war, die Sichtweise von nicht wenigen unter uns zu diesem Thema zu erweitern. Zumal dieser Blick auch noch mit einer relativ pro-chinesischen persönlichen Meinung dazu verknüpft war, mag dabei vielleicht auch für den einen oder anderen Zuhörer die maurerische Tugend der Toleranz eine unerwartete Gelegenheit zur praktischen Anwendung erhalten haben.