Geschichte der Loge Reuchlin

Geschichte der Loge

Bereits am 11.05.1858 wurde durch zehn in Pforzheim lebende Brüder ein freimaurerisches Kränzchen „Porta Hercyniae“unter der Leitung des Fabrikanten Friedrich Ehrismann gegründet. Die Karlsruher Loge „Leopold zur Treue“ übernahm die Patenschaft. Durch ihre Unterstützung stieg die Zahl der Brüder auf 21 im Jahre 1864. Dies ermunterte die Brüder an die Großloge „Zur Sonne“ in Bayreuth den Antrag auf Installation einer Freimaurerloge mit dem Namen „Reuchlin“ zu stellen. Am 6. April 1865 erteilt die Großloge der Loge „Reuchlin“ die Stiftungsurkunde und am 15. Oktober konnte des Licht in einer feierlichen Arbeit eingebracht werden. Der „Pforzheimer Beobachter“ schließt seinen Bericht über das Gründungsfest mit dem Wunsch: „Die hiesige Maurerloge möge ein Tempel der Humanität sein für alle Zeiten, ein Denkmal für unseren großen Mitbürger Reuchlin, der schon vor 350 Jahren die Fackel der Geistesbildung, der Wahrheit und reiner Menschlichkeit aufpflanzte.“
Die Loge wurde in einer Zeit des Materialismus und Naturalismus zu einem Hort des humanistischen Idealismus. Es wurden aber auch fröhliche Feste gefeiert. Daneben kam auch die Karitas nicht zu kurz. Dem Auftrag entsprechend wurden unverschuldet in Not geratene Familien unterstützt, mehrere Jahre eine Volksküche betrieben und zu Weihnachten regelmäßig Bedürftige bedacht.
Die Loge hatte zunächst keine feste Bleibe. Sie konnte in der Werderstraße 23 ein Grundstück erwerben. Der Grundstein für das Haus wurde am 21. Oktober 1886 gelegt und am 28. November 1897 konnte das Logenhaus eingeweiht werden.

1933 beginnt auch für die Loge Reuchlin die „Dunkle Zeit“. Vor der Zwangsenteignung wurde die Loge aufgelöst. Das Logenhaus konnte noch an die Evangelische Kirchengemeinde verkauft werden. Es wurde jedoch beim Bombenangriff am 23. Februar 1945 völlig zerstört.
Am 27. November 1946 trafen sich 23 Brüder in der Gaststätte „Hoheneck“ und beschlossen die Wiedereröffnung der Loge Reuchlin. In den nächsten Jahren trafen sich die Brüder regelmäßig in verschiedenen Gaststätten der Stadt, und am 8. November 1953 erfolgte die erneute Lichteinbringung und Installation als Loge in den Räumen des Hotels „Wittelsbacher Hof“. Das Logenleben fand in der Folgezeit in verschiedenen Lokalitäten statt. Erst 1983 konnte man die Villa Becker von der Stadt Pforzheim erwerben. Nach umfänglichen Restaurierungs- und Umbaumaßnahmen, welche größtenteils von den Brüdern der Loge selbst ausgeführt wurden, hatte die Loge Reuchlin wieder eine Heimstätte für ein reges Logenleben. Der Erhalt des denkmalgeschützten Bauwerks „Villa Becker“ ist Verpflichtung und Aufgabe der Loge, welche erhebliche Mittel der Brüder beansprucht. Zu kulturellen Veranstaltungen ist das Haus auch der Öffentlichkeit zugänglich.

 

 

Aus der Chronik der Loge REUCHLIN
_________________________________________________________________

11.05.1858 Gründung des freimaurerischen Kränzchens PORTA HERCYNIA.

06.04.1865 Gründung der Loge REUCHLIN.

15.10.1865 Einrichtung der Freimaurerloge REUCHLIN.

21.10.1896 Grundsteinlegung zum Logenhaus in der Werderstraße in Pforzheim.

1933 Verbot der Loge durch die NSDAP.

1935 Verkauf des Logenhauses an die Evangelische Kirche, um einer drohenden Enteignung zu entgehen.

23.02.1945 Zerstörung des Logenhauses beim Großangriff auf Pforzheim.

27.11.1946 Gründungsversammlung im Restaurant HOHENECK zur Wiedereröffnung der Loge REUCHLIN

1983 Erwerb der VILLA BECKER von der Stadt Pforzheim.

1985–1989 Restaurierung der VILLA BECKER durch weitgehende Eigenarbeit der Logen-Mitglieder.

23.06.1985 Einweihung der VILLA BECKER als neues Logenhaus.